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Basiswissen für aufgeräumten Bandsound: 3 Tipps, um deine Signalkette für den Mix zu optimieren

Basiswissen für aufgeräumten Bandsound: 3 Tipps, um deine Signalkette für den Mix zu optimieren

 

In Teil 1 zum Thema Bandsound habe ich euch einen ersten Einblick darüber gegeben, auf welchen Eckpfeilern ein Standardbandsound aufgebaut sein kann. Die dort verwendeten Frequenzspektren von Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang zeigen, in welchen Frequenzbereichen die Gefahr besteht, dass es zu Überlagerungen von zwei oder mehreren Instrumenten kommt. Durch diese Überlagerungen kann der Gesamt-Sound der Band matschig werden und somit für alle schwer zu durchdringen sein. In Folge steht man als Instrumentalist im Proberaum und kann sich selbst nur schwer orten. Sänger/ innen laufen Gefahr, sich in diesem Lärm heiser zu singen, da die direkte Rückmeldung zum eigenen Körper fehlt.

 

Also eine undankbare Situation für alle! Deshalb möchte ich euch nun einen Variante vorstellen, mit der ihr euch Schritt für Schritt einem transparenten Bandsound nähern könnt, um euch und euer Instrument darin selbst besser wahrnehmen zu können.

 

Sicherlich gibt es auch weitere Möglichkeiten, die zu einem vergleichbar guten Ergebnis führen. Schließlich hängt eure eigene Herangehensweise ja auch davon ab, auf welches Proberaumsetting, Equipment und Ausgangs-Know-How ihr zugreifen könnt. Ich finde Soundfindung ist in Etwa vergleichbar mit einer Reise. Das Ziel sollte klar sein, der Weg dahin liegt (unter Berücksichtigung ein paar akustischer und physikalischer Grundregeln) dann völlig in eurer Hand.

 

Wer sich zwischendrin "verfährt", fragt einfach einen Zielkundigen nach dem Weg. Scheut euch also bitte nicht, ausgehend von meinem Ansatz weiter zu verfeinern, weitere Schritte zu integrieren oder über einen ganz anderen Weg euren Sound aufzusetzen. Wichtig ist das Ziel – in diesem Sinne ein banddienlicher, transparenter Sound!

 

Wie kommt man zu einem banddienlichen Sound?

Wie also kommt man denn jetzt zu einem Sound, in dem sich jeder gut hören kann und zum eigenen Genre gut passt - der also banddienlich ist?

 

Ich möchte nichts in Stein hauen, denn dafür ist das "Handwerk" der Soundfindung zu facettenreich, das bietet viele mögliche Ansätze. Aber ein "Geheimnis" eines gut aufgestellten Bandsounds liegt sicher in der Gratwanderung zwischen dem Wunschsound des eigenen Instruments, also dem, den man mit seinem Instrument eventuell außerhalb des Bandkontextes verfolgt, und einem Instrumentensound, der den anderen Instrumenten in der Band an ihren "überlebenswichtigen Stellen" im Frequenzspektrum Platz lässt, und sich durch den Band-Mix durchzusetzen kann. Das lässt somit das Gesamtsoundbild sehr transparent wirken und verhindert, dass das sich immer lauter drehen müssen zum Konkurrenzkampf im Proberaum wird.

 

 

Also Mut zur (Frequenz-)Lücke – ran an den EQ und erstmal Finger weg vom Lautstärkeregler! ;)

Optimiere deinen Sound am besten ausgehend von der Quelle

Viele gehen davon aus, dass das Einstellen des Bandsounds primär am Mischpult erfolgt. Schließlich hat so ein Pult ja auch mehr als genug Schieberegler und Drehknöpfe, die das schon auf einander abstimmen können, was da so als Sound von jedem Einzelnen angeliefert wird.

 

Aber nein! Nicht ohne Grund gibt es das Sprichwort: "Ein Mischpult ist kein Klärwerk!". Die Signalketten aller Instrumente laufen zwar meist erstmalig im Mischpult zusammen, aber die Einstellmöglichkeiten und den Sound beeinflussenden Faktoren finden schon viel früher statt. Im Prinzip bereits direkt am Instrument und noch bevor überhaupt ein erster Ton dieses verlässt. Richtig! Unter anderem die "Hardware" (das Instrument selbst) und die darin/ daran verbauten Teile beeinflussen den Sound und wie du ihn am Mischpult anlieferst maßgeblich.

 

Dazu mal ein ganz vereinfachtes Beispiel.

Der Gitarrenpickup in einer Gitarre, der eher einen überbetonten Mittencharakter mit geringerem Bass- und Höhenanteil hat, könnte mit den Frequenzen des Gesangs noch mehr kollidieren als eh schon, da Gitarren und Gesang ja von ihrer Natur aus in sehr ähnlichen Frequenzbereichen unterwegs sind.

 

 

 

 

 

Natürlich kann man in diesen Fall den Ansatz fahren, dass man erst über das Mischpult eingreift und im Gitarrensound dem Gesang in den Mitten den Platz macht, den die Stimme im Band-Mix braucht, um sich durchsetzen zu können. Es könnte über diese Herangehensweise in diesem Fall jedoch sein, dass dann dem Gitarrensound etwas Fundament und Durchsetzungsvermögen fehlt, da der Pickup ja bauartbedingt eben wenig Bassanteil und wenig Höhenanteil liefert.

 

Mehr Handlungsspielraum, um daraus einen für jeden in der Band brauchbaren Sound aufzusetzen, hätte man in diesem Beispiel, würde der Pickup einen ausgewogeneren Sound, also ebenfalls mehr Bass und Höhenanteil liefern. Denn die Frequenzen die im Signal nicht oder nur gering mitgeliefert werden, kann man am eigenen EQ oder am Pult nur schwer dazu zaubern.

Beachte die goldene EQ-Regel: Eher Cutten als Boosten

 

Mit einem einfachen EQ-Pedal kann man für Gitarre und Bass bereist auf dem Floorboard oder dem Rack das Signal schon so voreinstellen, dass z.B. der Bass den Frequenzbereich der Kickdrum frei hält und ebenso der Gitarre in den Tiefmitten nicht in die Quere kommt.

 

Schlagzeug und Gesang wird man wahrscheinlich erst am EQ des Mischpults angreifen, bzw. schon im Vorfeld schauen, sich mit dem Equipment auszustatten, dass für den gewünschten Bandsound ein gut zu bearbeitendes Signal liefern kann.

 

Das alles ist natürlich auch stark davon abhängig, welchen persönlichen Sound-Geschmack man als Band verfolgt.

 

Aber ein guter Ansatz um einen transparenten Bandsound aufzustellen ist, dass Grundsignal das aus dem eigenen Instrument kommt, im ersten Schritt von Störfrequenzen zu befreien und im Frequenzspektrum per EQ dort eine Lücke zu machen, wo die anderen Instrumente hingehören. Frequenzen zu boosten sollte meiner Meinung nach immer erst im zweiten Schritt erfolgen, und zwar dann, wenn man nach einem gemeinsamen anchecken des Sounds feststellt, dass noch etwas am Gesamtsoundcharakter fehlt.

 

Über diesen Ansatz hat man es dann am Mischpult (im Proberaum und auch live) nun viel einfacher, die Einzelsounds zu einen transparenten Gesamtsound sinnvoll zusammen zu mischen.

Basiswissen für aufgeräumten Bandsound, Teil 2, © Soundtrap / Unsplash

 

Einzelsounds aller Instrumente gut miteinander verzahnen

Noch ein kleiner abschließender Tipp. Ja, richtig! Die Einzelsounds von Gitarre, Bass und auch Stimme können, hört man sie getrennt vom Bandmix, über diesen Ansatz unvollständig, nicht voll, ausgehöhlt oder gar dünn(er) klingen, als man sich das im ersten Moment wünscht.

 

Auch ein für den gewünschten Sound sehr straff oder recht weich gespanntes Fell der Kickdrum kann sich erstmal fremd im Spielgefühl anfühlen. Bewertet daher euren Einzel-Instrumentensound immer nur im Bandkontext, nie alleine. Es geht schließlich darum einen Bandsound aufzusetzen, in dem ihr euch mit euren Instrumenten im Sound gegenseitig ergänzt und nicht in dem jeder einen Sound fährt, der sich nur überhaupt nicht zu einem Gesamtsound integrieren lässt. Anpassungsfähigkeit ist eben das A&O für einen guten und transparenten Bandsound.

 

Schaut ebenfalls, dass ihr die Lücken, die ihr in euren Einzel-EQs für die anderen Instrumente macht, auch nicht zu großzügig wählt. Ein guter Bandsound greift ineinander wie geölte Zahnräder. Heißt ganz vereinfacht, der Bass macht der Kickdrum Platz, der Bass geht nur so hoch bis die Gitarre anfängt (und anders herum) und die Gitarre macht dem Gesang Platz, wo er es braucht (auch gerne umgekehrt, wenn sinnvoll und notwendig).

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